Minimalismus – Die Sache mit den dingen

Alles was Du besitzt, besitzt irgend­wann Dich“ aus Fight Club.

Beim Mini­ma­lis­mus geht es jedoch nicht dar­um mög­lichst wenig Din­ge zu besit­zen, son­dern nur Din­ge die Sinn und Funk­ti­on haben. Es geht mehr dar­um sich von allem über­flüs­si­gen zu tren­nen. So räumt man nicht nur sei­ne Woh­nung auf, son­dern auch sein Leben. Man schafft Klar­heit um sich auf die wich­ti­gen Din­ge zu fokus­sie­ren. Wenn man genau drü­ber nach­denkt, belas­tet doch Besitzt. Aus mei­nen Leben fal­len mir da auch eini­ge Bei­spie­le ein.

Von der Kind­heit an, war ich eher ein Samm­ler. In mei­nem Eltern­haus war seit ich den­ken kann wirk­lich jeder geeig­ne­te Platz voll­ge­stellt mit Anti­qui­tä­ten und (hoch­wer­ti­gen) Urlaubs Sou­ve­nirs. An allen wän­den alte Bil­der, Gemäl­de oder noch mehr Anti­qui­tä­ten. In Schrän­ken noch Akten unsers Wein­gu­tes aus dem 50er Jah­ren, oder gar noch Kis­ten mit den Schul­hef­ten der Groß­el­tern. Im soge­nann­ten Kel­ler (Kein klas­si­scher Kel­ler unter­ir­disch, son­dern eine gro­ße Hal­le in der Wein pro­du­ziert und gela­gert wur­de) gab es eine Werk­statt mit unzäh­li­gem Werk­zeug, in den obe­ren Stock­wer­ken noch uralte Ski­er und Win­zer Werk­zeu­ge aus der Vor­kriegs­zeit. Ich bin also von klein auf dar­auf pro­gram­miert wor­den, auf mei­ne Din­ge auf­zu­pas­sen und die­se zu sam­meln. So sam­mel­te ich auch alles, von Zeit­schrif­ten über Schul­hef­te alles was ich dach­te es könn­te mal an (mate­ri­el­lem) Wert gewin­nen. Noch ohne je etwas von Mini­ma­lis­mus gehört zu haben, wur­de es mir damals, so kann ich mich noch gut erin­nern, auch schon zu viel. So hat­te ich als Jugend­li­cher Pha­sen in wel­chen ich anfing vie­les aus­zu­sor­tie­ren habe.

Aber trotz­dem war ich lan­ge noch drauf gepolt, nütz­li­che Gegen­stän­de immer zu kau­fen, wenn sich eine gute Gele­gen­heit bot. Über die Jah­re bin ich auch mehr­fach umge­zo­gen. Das ers­te mal mit 16 nach Stutt­gart. Mein hab und gut pass­te noch sehr bequem in einen VW T3. 2 Jah­re spä­ter, muss­te der T3 schon zwei­mal fah­ren. Der nächs­te Umzug for­der­te dann schon einen Sprin­ter. Das war mein ers­ter Umzug nach Mün­chen. Der fol­gen­de, nach Ger­me­ring waren zwei Sprin­ter. Mein letz­ter, wie­der in die Stadt benö­tig­te schon zwei gro­ße Sprin­ter mit lan­gem Rad­stand. Und es ist nicht so, das ich nicht vor jedem Umzug kräf­tig aus­sor­tiert und aus­ge­mis­tet habe. Aber ers­ten in den letz­ten bei­den Jah­ren, wur­de mein Besitzt lang­sam wie­der weni­ger. Die letz­ten Wochen dann sogar mit Ziel und Sys­tem.

Wenn man etwas neu­es kauft, ist das im ers­ten moment ja immer eine Befrie­di­gung. Oft kauft man sich eigent­lich nur eine Vor­stel­lung, einen Traum bezie­hungs­wei­se Emo­tio­nen. Die Ein­rich­tung z.B. einer Glo­be­trot­ter Filia­le erin­nert auch nicht aus Zufall an Rei­sen, frem­de Orte und Aben­teu­er. Die Werk­zeug Kis­te im Ange­bot beim Dis­coun­ter kauft man oft auch nicht weil man sie braucht. Oder wie ist man sonst ohne sie aus­ge­kom­men? Braucht man das Werk­zeug wirk­lich, hät­te man es sich schon lan­ge im Bau­markt besorgt und könn­te eben nicht auf den Dis­coun­ter war­ten. Ihr wür­de nicht glau­ben wie­viel Werk­zeug von Dis­coun­ter in mei­nem Besitzt war, wel­ches ich prak­tisch unbe­nutzt wie­der ver­kauft habe.

Und je mehr man hat, des­to mehr Belas­tung hat man. Das fängt schon beim Put­zen und Auf­räu­men an. Man muss repa­rie­ren und war­ten, man kann es ver­lie­ren. Es baut sich eine Ver­lust Angst auf. Ein Sze­na­rio z.B. die Kün­di­gung der Woh­nung. Gera­de in Mün­chen fin­den man wenn man Pech hat nicht gleich was neu­es, aber im Zwei­fel kann man auch mal vor­über­ge­hend außer­halb Woh­nen oder in einem klei­nen Apart­ment zie­hen. Also gar nicht schlimm, wenn da nicht das Pro­blem mit den gan­zen Sachen wäre die mit umzie­hen müss­ten. Gera­de mit einem Dach­bo­den neigt man dazu, din­ge ein­zu­la­gern. Die sind dann aus den Augen und irgend­wann aus dem Sinn. So hät­te ich fast einen Blee­ding Block bei Ama­zon bestellt, als ich das letz­te mal mei­ne Brem­sen ent­lüf­ten woll­te. Das ist eigent­lich nur ein 5 Cent Plas­tik­teil, das man in die Brem­se steckt um die Kol­ben zu blo­ckie­ren. Güns­ti­ge 7 Euro wird dafür beim Ama­zon ver­langt. Ich hat­te so ein Teil in der tat auch noch im Hin­ter­kopf, wuss­te aber nicht mehr das ich es wirk­lich habe. Zum Glück hat­te ich es noch nicht bestellt als ich es dann durch puren Zufall in einer Werk­zeug Kis­te auf dem Dach­bo­den gefun­den habe.

Und es muss nichts nega­ti­ves wie die Woh­nungs­kün­di­gung sein. Wer könn­te ohne viel Stress heu­te sein Woh­nung kün­di­gen, die Hab­se­lig­kei­ten ein­la­gern um ein Jahr im Aus­land zu arbei­ten? Viel­leicht hat der ein oder ande­re schon selbst mal davon geträumt, aber es im Gedan­ken an sei­ne Woh­nung (in Wirk­lich­keit deren Inhalt) wie­der ver­wor­fen.

Da ich frü­her jemand war, der Din­ge die ich (ver­meint­lich) brauch­te immer sofort besorgt hat, habe sich so auch viel ange­sam­melt. Inzwi­schen habe ich in Ever­no­te eine ein­fa­che Lis­te in wel­che ich anstel­le zu kau­fen, den Arti­kel ein­tra­ge. Nach einem Monat prü­fe ich, ob ich den Gegen­stand immer­noch glau­be zu brau­che. Wenn ja, kau­fe ich, wenn nein, lösche ich. Und tat­säch­lich habe ich bis jetzt nahe­zu immer die Zei­le gelöscht. Es ist eine unglaub­lich gute Metho­den sei­nen Kon­sum zu reflek­tie­ren.

Ich Digi­ta­li­se­re alles was an Papier bei mir ankommt. Bei Büchern bin ich inzwi­schen zwei­ge­teilt. Es gab eine Zeit, in der ich geschäft­lich viel in der Welt gereist bin. In die­ser habe ich noch auf Kind­le und eBooks geschwo­ren. Inzwi­schen habe ich jedoch eini­ge Bücher, die ich zuerst Digi­tal kauf­te, noch mal als Hard­co­ver nach­ge­kauft. Das Betrifft aber vor allem Fach­bü­cher und Bücher in denen man mehr Nach­schla­gen will, mehr Blät­tert, gene­rell nicht Line­ar liest. Bel­le­tri­sitk reicht mir aber auf dem Kind­le. Ein Pro­blem beim Kind­le ist für mich auch, dass Bücher in ver­ges­sen­heit gera­den. Ich mei­ne damit, ein Buch das ich sehe, ruft es mir in Erin­ne­rung. Auf mei­nem Kind­le gibt es hin­ge­gen mehr als nur ein Buch wel­ches ich mal ange­fan­gen, aber nie been­det habe. Aber da wer­de ich mir noch mal getrennt gedan­ken machen müs­sen. Ich hat­te dafür mal eine Lese­lis­te die ich mal wie­der reak­ti­vie­ren soll­te.

Aktu­ell hat mich das mini­ma­li­sie­ren so stark gepackt wie nie. Über Klein­an­zei­gen habe ich schon viel ver­kauft. Alles kommt weg, was seit let­zem Jahr sowie­so nur herr­um­lag. Dazu gehö­ren auch Din­ge die ich vor ein paar Jah­ren und häu­fig benutzt habe. Aber inter­es­sen ändern sich. Hop­pies wech­seln. Und alles was abge­holt wur­de, hat mich etwas befreit. Nicht nur der Platz der frei wird, son­dern auch der Druck ver­schwin­den der sich auf­baut, wenn man an eine Zeit erin­nert wird, in der man ein Hop­py noch betrie­ben hat.

 

Das war dann aber erst­mal mein vier­ter Bei­trag. Ich hof­fe es gefällt und hilft dir. Ich freue mich auch wie immer über Feed­back.

 

Bas­ti